Sinus-Archery ONE – Ein Bogen entsteht.

Sinus-Archery ONE – Ein Bogen entsteht.

Ich habe in den 10 Jahren, in denen ich jetzt Bogen schieße, einiges selber gebaut. Angefangen von Pfeilen, Sehnen und sogar Sehnenwachs habe ich selber hergestellt. Was mir aber bisher gefehlt hat, war ein eigener selbstgebauter Bogen. Das hier ist nun die Entstehungsgeschichte des Sinus-Archery ONE. Zugegeben, eigentlich ist es ein Fritzbogen Habicht C2 EVO, aber da ich ihn gebaut habe und zwar genau so wie ich ihn haben wollte, heißt er nun eben Sinus-Archery ONE.

Zusammen mit Sandra sind wir an einem Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr in der Werkstatt von Fritz Preuß aufgeschlagen. Los ging es dann mit der Auswahl der Hölzer.
Ich habe mich für ein Griffstück aus Zirikote und eine Zierader aus dünnem schwarzgefärbten Furnier, gefolgt von Eibe Furnier und einer dickeren Schicht Padouk entschieden, also eine Zierader aus 5 Schichten. Sandra hat ebenfalls Zirikote als Griffstück gewählt, dazu als Zierader nur das dünne schwarze Furnier und einer dickeren Schicht Eibe. Die Wurfarme haben wir beide mit Eibe Furnier gewählt.

Dann ging es ans Eingemachte. Zuerst wurde die Zierader und die Länge auf dem zukünftigen Griffstück angezeichnet und anschließend an der Bandsäge ausgesägt. Im Anschluss wurde nun das Griffstück „abgeflammt“ da das von und gewählte Holz sehr viel Öl enthält. Nun mussten wir alle Stücke des Griffs und die Furniere für die Zierader schleifen und aufrauen und im Anschluss in einer Form mit Harz verkleben.

Das war dann auch schon der erste Tag.

Am Mittwochmorgen um 9 Uhr ging es dann weiter. Zuerst den zukünftigen Griff aus der Form befreien und anschließend am Bandschleifer von überschüssigen Harz befreien und etwas glatt schleifen. Nun wurden die restlichen Konturen und die Löcher für die Gewichte angezeichnet und im Anschluss diese Löcher dann gebohrt. Dann kam wieder die Bandsäge zum Einsatz und die „Aufnahmen“ der Wurfarme wurden ausgesägt, passend geschliffen und im Anschluss wieder abgeflammt und aufgeraut. Was sich hier so schnell einfach anhört, war eine schweißtreibende und langwierige Arbeit.

Aber auch das haben wir geschafft und nun wurden die „Einzelteile“ der Wurfarme vorbereitet.
2 Lagen Bambus aufrauen, 2 Lagen Carbon anschleifen, 4 mal Furnier anschleifen und 2 Lagen Glas auf einer Seite abkleben und die andere auch anschleifen. Nun wird das ganze mit Harz eingestrichen, i die Form gelegt und mit Gegenhaltern und Schraubzwingen fixiert. Ach ja, zuvor haben wir natürlich auch noch die Gewichte eingeklebt. Das hat einen weiteren Tag gedauert und so war nun Feierabend und das ganze konnte unter Einsatz von einer Heizung abgedeckt über Nacht aushärten.


Am dritten Tag, Donnerstag , ging es um 9 Uhr ging es dann weiter. Die Bögen wurden aus der Form befreit und zum ersten Mal hatten wir unsere Bögen in der Hand. Beide Bögen waren im Moment noch 70“ lang. Dann ging es wieder an den Bandschleifer und das überschüssige Harz wurde wieder entfernt und die Wurfarme gerade geschliffen. Nun wurde die Form der Wurfarme, Markierungen für die Sehnenkerben und Tillern aufgezeichnet und im Anschluss an weitere Teile des Griffs und auch die Wurfarme anhand der Markierungen an der Bandsäge ausgesägt. Klingt einfach, ist auch nicht wirklich schwierig, aber wenn man 2 Tage Arbeit, Schweiß und Blut in etwas steckt, dann geht einem das Sägen nicht mehr so einfach von der Hand.

Nun wurden 2 provisorische Sehnenkerben geschliffen und der Bogen das erste mal aufgespannt, immer noch mit 70“. Nun wurde die Zugstärke gemessen und geschaut ob das mit der gewünschten Zugstärke passen würde. Die Zugstärke sollte +10 Pfund betragen. Da ich einen Bogen bauen wollte mit 42 Pfund bei 28“, was bei meinem Auszug ca. 45 Pfund ergibt, sollte der Bogen nun also 52 Pfund haben. Da dies nicht gepasst hat, was aber zu erwarten war, wurden also bei 68“ nochmals Sehnenkerben eingeschliffen und siehe da, 52 Pfund. Bei Sandras Bogen war der richtige Wert bei 66“ erreicht. Nachdem das dann gepasst hat, wurden die Bögen auf die richtige Länge abgesägt und es wurden die Tips aus Büffelhorn, sowie das Overlay aus 3 Schichten Holz mit Harz verklebt. Die Overlays erhielten vorher die übliche Behandlung mit schleifen und aufrauen. Nun gab es erstmal einen zünftige Bayrische Brotzeit. Die hatten wir uns verdient 😊.


Als Nachtisch haben wir dann unsere Sehne gemacht. Für Sandra war das totales Neuland, sie hatte ja bisher mich als ihren persönlichen Sehnenmacher.


Im Anschluss ging es dann wieder an den Bogen, Das Schussfenster wurde, dieses mal mit der Hand, ausgesägt und mit dem Stechbeitel bearbeitet.
Wie ging es dann weiter? Natürlich am Bandschleifer, der in der Zwischenzeit zu Sandras absolutem Lieblingsgerat geworden ist. Der Griff wurde nun endgültig ausgeformt und alles schön rund und stimmig geschliffen.

Auch als das geschafft war, ging es wieder zurück an den Bandschleifer. Jetzt musst noch das endgültige Zuggewicht und auch der Tiller stimmen. Dazu wurden immer wieder, die Seiten der Wurfarme schmäler geschliffen, das Ganze dann von verschiedenen Startpunkten, die wir im Vorfeld aufgezeichnet haben. Nach jedem Schleifdurchgang mussten die Kanten gebrochen, die Sehnenkerben nachgefeilt, der Bogen aufgespannt, die Zugstärke und der Tiller gemessen werden. Wir haben das dann solange wiederholt, bis alles gepasst hat. Nun wurde zur Abwechslung mal geschliffen, aber dieses Mal mit einem kleinen Dreiecksschleifer. Der Griff, die Tips und das Overlay wurden zuerst mit 80 Schleifpapier geschliffen, dann immer feiner, bis wir am Ende ohne Schleifmaschine bei 240 angekommen sind. Dies war dann auch der Zeitpunkt an dem wir zum ersten mal den Bogen als ganzes sehen konnten, denn bisher waren die Wurfarme noch immer abgeklebt. Nach dem entfernen der Klebebands haben wir nun auch noch leicht über das Glas geschliffen. Nun konnte auch noch der wichtigste Schritt vorgenommen werden, meine Sinus-Archery ONE Plakette wurde eingesetzt. Die letzten Schritte waren dann noch die Tips an einer Polierscheibe zu polieren und den Bogen zu ölen. Dann war es vollbracht, Donnerstagabend gegen 19 Uhr waren unser Bögen fertig.



Es war ein unglaubliches Erlebnis. Fritz und Monika waren tolle Gastgeber und auch geduldige Lehrmeister. Wer einen eigenen Bogen bauen möchte, sollte sich unbedingt in die kundigen Hände von Fritz begeben. Er hat uns jederzeit bei allen Schritten unterstütz und geholfen. Vielen, vielen Dank.


Da wir die ganze Zeit am Arbeiten waren, sind die meisten Fotos auch von Monika und Fritz. Wir sind selbst nicht zum Fotografieren gekommen, sind aber dennoch mit über 250 Fotos auf einem USB-Stick versorgt worden. Auch hierfür nochmal herzlichen Dank!